Auf Einladung des Partnerschaftsvereins Herzogenaurach-Kaya weilte Anfang Dezember letzten Jahres Didier Quedraogo von der OCADES Caritas Burkina für einige Tage in Herzogenaurach.

Didier ist bereits seit vielen Jahren für den Verein Ansprechpartner und Organisator vor Ort in Kaya – sei es für das Patenkinder-Programm oder diverse kleinere und größere Projekte zur direkten Unterstützung der Bevölkerung in unserer Partnerstadt.

Die Tage rund um den 1. Advent hielten für Didier ein umfangreiches Programm bereit. Dabei gab es Gelegenheit für zahlreiche interessante Gespräche, u.a. über die aktuelle politische Situation in BF im Allgemeinen sowie über die Lage in Kaya im Besonderen. Didier berichtete über den Stand der aktuell laufenden Projekte, gemeinsam wurde weiterer Unterstützungsbedarf sondiert.

Die Situation im Norden Burkina Fasos hat sich im zurückliegenden Jahr etwas stabilisiert. Zum Teil können Bewohner, die vor islamistischen Angriffen auf ihre Dörfer nach Kaya geflohen waren, wieder in ihre inzwischen befreiten Dörfer zurückkehren. Obgleich noch immer viele Flüchtlingsfamilien in Kaya versorgt werden müssen, entspannt sich die Situation damit etwas. Gleichzeitig offenbaren sich neue Herausforderungen. Die kommunale Infrastruktur ist in vielen betroffenen Dörfern stark zerstört. Das betrifft vor allem auch Schulgebäude, die instandgesetzt und neu ausgestattet werden müssen. Insbesondere die Anschaffung von Schulbänken und Arbeitsmaterialien ist dringend erforderlich, damit Schulen wieder funktionsfähig werden und der reguläre Unterricht anlaufen kann.

Gleich zu Beginn des Besuches hatte der Partnerschaftsverein zu einem Treffen mit den Pateneltern eingeladen. Leider waren dieser Einladung nur sehr wenige Paten gefolgt. Für alle Anwesenden war es jedoch ein spannender und informativer Abend. Mit Unterstützung von Frau Matzick, die Didiers Ausführungen übersetzte, konnten alle Teilnehmenden Didiers Ausführungen problemlos folgen! Herzlichen Dank dafür an Frau Matzick!

Didier berichtete, dass die ersten konkreten Überlegungen zum Patenschafts-Programm im Jahr 2013 angestellt wurden. Bereits 2014 waren 50 Kinder in das Programm aufgenommen worden. Bis heute stieg die Zahl der Kinder stetig. Sie beträgt aktuell 108 Patenkinder, die von 78 Pateneltern unterstützt werden. Darunter befinden sich auch zwei blinde Kinder mit besonderem Förderbedarf.

Die Patenkinder werden in Kaya von vier verschiedenen Assoziationen ausgewählt. Diese Organisationen betreuen sowohl Familien, die arm, kinderreich und sozial benachteiligt sind als auch Waisenkinder. Besonders bedürftige Kinder werden auf diese Weise identifiziert und können in das Programm aufgenommen werden – wobei die jeweilige Organisation für die Dauer der Patenschaft eng in alle Lebensbereiche der Kinder eingebunden ist.

Wie Didier ausführte, ist die Unterstützung der Kinder nachhaltig. Vom Patenschaftsgeld werden nicht nur die Gebühren für den Schulbesuch, die Schuluniformen sowie Hefte und Bücher bezahlt, sondern auch Lebensmittel finanziert, um sicher zu stellen, dass die Kinder satt über den Schultag kommen.

Didier „verwaltet“ das Patenschafts-Programm in Kaya und hält engen Kontak zu allen Assoziationen. Die Beiträge der Paten werden auf ein Konto des Patenvereins in Kaya überwiesen, von wo aus die Auszahlung veranlasst wird. Weiterhin ist er für die Weitergabe der Informationen zur Entwicklung der Kinder verantwortlich. Die Auszahlung der Gelder an die Kinder folgt dem Rhythmus des Schuljahres jeweils zu Beginn eines Trimesters. Es ist an den schulischen Erfolg geknüpft. Besteht ein Kind zwei Mal in Folge die Prüfungen zum Schuljahresende nicht, muss es in der Regel das Programm verlassen.

Aktuell befinden sich unter den Kindern im Programm keine Kindergartenkinder, 13 Kinder in Grundschulen, 40 Kinder in der Mittelschule, 20 Kinder am Gymnasium und 9 Kinder an einer Universität. 2 der studierenden jungen Leute stehen kurz vor ihrem Abschluss, 19 Kinder befinden sich in einer Berufsausbildung.

20 Kinder sind im Moment ausgeschlossen. In diesem Fall werden die Paten vom Partnerschaftsverein informiert. In Zusammenarbeit mit der jeweiligen Assoziation wird gemeinsam mit dem Kind bzw. dessen Familie ein Weg gesucht, wie sich der weitere Ausbildungsweg gestalten kann. Die Paten können dann entscheiden, ob sie diesen weiterhin unterstützen möchten. Geht ein Kind in ein Arbeitsverhältnis über, fällt es aus dem Patenprogramm.

Neben der regelmäßigen finanziellen Unterstützung ist es allen Paten von Zeit zu Zeit möglich, seinem Patenkind ein persönliches Geschenk zukommen zu lassen. Immer dann, wenn eine Spendencontainer seitens des Vereins oder der Stadt Herzogenaurach versendet wird, werden diese Päckchen mit auf die Reise geschickt.

Ungeachtet der vielen kleineren und größeren Hindernisse, die ein solcher Spendencontainer nehmen muss, beginnend bei den Formalitäten, über die Organisation der Sammlung bis hin zur Finanzierung, wird es in diesem Jahr wieder so weit sein. Für 2026 ist ein Spendencontainer geplant! Ein Aufruf zum Sammeln von Sachspenden und zur Abgabe von Patengeschenken wird zu gegebener Zeit erfolgen.

Zum Abschluss des Informationsabends verlas Frau Matzick noch einen Brief der Assoziation „Cri de Coeur“, den Didier mitgebracht hatte. In ihm bedankte sich die Organisation sehr herzlich für die Unterstützung und das Engagement. Es ist ein Zeichen der Nächstenliebe für benachteiligte Kinder. Durch das Engagement wird die Situation der Kinder in Zeiten der Krisen nachhaltig verbessert. Jeder Cent der Spenden wird verantwortungsvoll weitergegeben.